Was nun folgt ist der militärische Werdegang meines Großvaters. Er führt ihn, über fast fünf Jahre, durch den schrecklichsten Krieg, den die Menschheit je gesehen hat und der über 55 Millionen Opfer forderte. Er selber hat Ihn, wenn auch stark gezeichnet, überlebt.

MILITÄRISCHER WERDEGANG:
01.05.1936: Eintritt in die Hitlerjugend
05.06.1940: Medizinische Tauglichkeitsprüfung / Musterung beim Wehrbezirkskommando Recklinghausen.
Hier
bekundet Theodor Schäfer seinen Wunsch zur Kriegsmarine
versetzt zu werden.
Ihm besondere Eignung als Infanterist bescheinigt
11.10.1940: Heranziehung zum Reichsarbeitsdienst zum 24.10.1940
24.10.1940: Eintritt in den Reichsarbeitsdienst
RAD Stammrollennummer 879, Stammdienststelle 4/44/L164 Standort: Hamdorf, Rang: Arbeitsmann, Führung: Sehr gut

17.02.1941: Einberufung zur Wehrmacht / Grundausbildung
Ersatztruppenteil: Nachrichten-Ersatz-Kompanie 11
02.03.1941: Vereidigung auf den Führer
15.08.1941: Überstellung / Bewerbung (auf eigenen Wunsch) zu/bei den Fallschirmjägern
Ersatztruppenteil: Fallschirmjäger Ergänzungs Batallion II. Zu einer Aufnahme bei den Fallschirmjägern kommt es nicht, Rücküberstellung zur Nachrichten-Ersatz-Kompanie 11 am 16.08.1941

Fussball - Auch während der Grundausbildung
17.08.1941: Abschluss der Grundausbildung
Führung und Beurteilung:
+ Geistige und körperliche Veranlagung: Geistig rege,
körperlich kräftig und ausdauernd
+ Rang: Schütze
+ Besondere Ausbildung: Fernsprecher im kleinen
Fernsprechtrupp
+ Führung: Sehr gut
+ dienstl. Kenntnisse u. Leistungen:
Formale Ausbildung und Nachrichtendienst : gut.
Guter Fernsprecher
+ Ausbildung an der Waffe:
Gewehr 98, Karabiner 98b, MG26(t)

25.08.1941: Überstellung zum Infanterie-Regiment 22 (Raum Leningrad)
Fronttruppenteil: 12. (MG) Kompanie, Infanterie Regiment 22, 1. Infanterie-Division.
In den Infanterie-Regimentern waren die 4., 8. und 12. Kompanien Maschinengewehr-Kompanien.

16.09.1941: Verwundung an der Front (Raum Leningrad)
An diesem Tag wird Theodor von mehreren Granatsplittern getroffen. Einer durchschlägt sein Bein am rechten Oberschenkel und dringt danach in den linken Fuß ein. Ein weiterer trifft Ihn in Brusthöhe, wird aber von seinem Soldbuch und einer dahinter getragenen Tabakdose aufgefangen ! Das Soldbuch mit dem Durchschuss befindet sich heute in meiner Obhut

18.09.1941: Überstellung in das Feldlazarett 158
06.10.1941: Überstellung in des Reservelazarett Bad Neuenahr
11.02.1942: Entlassung aus dem Reservelazarett Bad Neuenahr
und Überstellung zum Ersatztruppenteil
01.07.1942: Beförderung zum Gefreiten
25.07.1942: Überstellung zum Ersatztruppenteil Infanterie-Ersatz-Batallion 22 (Genesendenkompanie) - Gumbinnen
04.08.1942: Überstellung zum Fronttruppenteil , Füsilier-Regiment 22 (Raum Leningrad, Ladogasee)
Fronttruppenteil: 4. Kompanie / Füsilier-Regiment 22
Infanterie-Regiment 22 war inzwischen in Füsilier-Regiment
22 ( Füsilier- Regiment 22 als Traditions-Regiment des
Füsilier-Regiment Graf Roon (Ostpr.) Nr. 33 in Gumbinnen der
alten Armee) unbenannt worden. 4. Kompanie war wieder eine
MG (Maschinengewehr) Kompanie.
14.01.1943: 2. Verwundung, Gehirnerschütterung durch Feindeinwirkung / Überstellung an Kriegslazarett 928 (Chirurgische Abteilung) Entlassung am 17.01.1943
18.01.1943: Ankunft im Kriegslazarett 1./608
23.02.1943: Überstellung an den Ersatztruppenteil
Füsilier-Ersatz-Batallion 22
Einheit: 2. Genesenden-Kompanie, Füsilier-Ersatz-Batallion
22
1. ZUSAMMENFASSUNG
Mein
Großvater Theodor Schäfer war also vom 25.8.41 bis 26.6.43,
mit Unterbrechungen durch Lazarettaufenthalt nach Verwundung
durch Granatsplitter, im Rahmen der 1. Infanterie-Division
im Feld.
Die Division zog im Rahmen des I. AK im Raum Tilsit über die
deutsch-russische Grenze und kämpfte fortan nur im
Nordabschnitt der Ostfront.
Wochenschaubericht (Raum Leningrad) aus der Woche September 1941
Der Vormarsch der Div führte über Schaulen, über die Düna,
durch Gdow bis Pleskau am Peipussee. Nach harten Kämpfen im
Luga-Brückenkopf erfolgte die Eroberung von Kingisepp und
der Vormarsch auf Leningrad. Die Div stürmte Peterhof an der
Kronstädter Bucht. Im November 41 Verlegung an den
sogenannten "Flaschenhals" zwischen Newa und Wolchow. Die
Div wurde südlich Schlüsselburg eingesetzt, im Winter 41 /
42 Mga und Gaitolowo.
Nach schweren Kämpfen an der Newa im Mai 42 Verlegung an die
Wolchow-Front. Die erste ID war beteiligt an der Schließung
des Wolchow-Kessels. Dort verblieb sie die nächsten Monate
im Ramne des I. AKs. Ende 42 Eiltransport nach Norden. Die
1. ID stand dann als nördlichste deutsche Division südlich
des Ladagosees. Die Div nahm dort das ganze Jahr an den
dauernden Ladagoschlachten (Belagerung Leningrads) teil,
wobei sie schwere Verluste erlitt.
Am 12. Januar 1943 eröffneten die Soviets mit der „Operation
Funkenschlag“ den Ersten Angriff zur Befreiung Leningrads.
In den folgenden schweren Abwehrkämpfen erleidet er am 14. Januar 1943 eine Gehirnerschütterung, die wahrscheinlich die Folge einer Verschüttung nach Artillerieeinschlag war.
Hier der Bericht der Kämpfe um Leningrad aus der Woche (Januar/Februar 1943) in der mein Großvater dort verwundet wurde

26.03.1943: Aufgrund einer nicht ausgeheilten Verwundung
oder langfristigeren Krankheit erfolgt die Versetzung zum
Landesschützen-Batallion 215
Fronttruppenteil: 5. Kompanie /
Landesschützen-Batallion 215
Anmerkung: Landesschützen Einheiten zählten zu den so
genannten Sicherungseinheiten. Insbesondere kranke oder noch
nicht vollständig ausgeheilte Soldaten diesen in den Reihen
der Landesschützen. Zu den Aufgaben zählten u.a.
Bewachung und Überführung von Kriegsgefangenen, Sicherung
gegen Partisanen und allgemeine Sicherungsaufgaben.
Hier absolviert Theodor Schäfer einen Sonderlehrgang
„Bezirksführer in der Kriegsgefangenen-Bewachung“
In einer Beurteilung des Batallions heisst es: Theodor
Schäfer hat seinen Dienst zur Zufriedenheit der Kompanie
versehen. Durchschnittlicher Charakter. Führung: Gut.
In der Stellung „Bezirksführer in der
Kriegsfangenenbewachung“ Dienst getan.
01.12.43: Beförderung zum Obergefreiten
01.02.1944: Krankheit - Überführung zurück in die Heimat ins
Reserve-Lazarett Gelsenkirchen-Buer wegen Nieren- und
Mandelentzündung
02.03.1944: Rücküberstellung an den Ersatztruppenteil
Landesschützen-Ersatz- und-Ausbildungsbatallion 1
(Genesendenkompanie)
08.05.44: Keine grundlegenden Änderungen jedoch Wechsel von
der Genesendenkompanie in die 5. Kompanie des Batallions
20.07.44: Keine grundlegenden Änderungen jedoch Wechsel von
der 5. Kompanie in die 2. Kompanie des Batallions
21.07.44: Umbenennung in 1./ Mobiles Landesschützenbatallion
1
24.07.44: Wohl wegen erneuter Krankheit ins Reserve Lazarett
Lötzen (Krankenabteilung 137)
29.07.44: Überstellung ans Reserve Lazarett III Hannover
11.08.44: Zurück an den Ersatztruppenteil ?
14.11.44: Überstellung an das Festungs-Infanterie-Batallion
1401
Fronttruppenteil: 2. Kompanie,
Festungs-Infanterie-Batallion 1401, Kampfgruppe Denkert
Kampfgruppe General Denkert
Feldpostnummer 27466
vermißte: (47),
VII./44 Angerburg (1)
IX./44 Lötzne (1)
XII./44 Lötzen (1)
I./45 Lötzen, Ostpreussen, Königsberg, Milken (12)
II./45 Ostpreussen, Königsberg, Lötzen, Mehlsack, Goldap,
Allenstein unda. (17)
III./45 Pillau, Königsberg, Danzig unda. (12)
siehe: Kampfgruppe Denkert, Festungs-Infanterie-Bataillon
1401
auch XIII 1
1944/45 Ostpreußen mit Festungs-Infanterie-Fla-Bataillon 801
Rückzugsgefechte in Ostpreussen - Wochenschauauszug Januar 1945
Die Ausgabe einer Pistole P38 im Dezember 44 deutet stark
darauf hin das Theodor Schäfer in dieser Kompanie als
MG-Schütze tätig war.
Nach dem
Fall der Festung Warschau kämpfte dieses Batallion bis Ende
Februar 1945 in Ostpreussen, wurde dann in die 35. ID
übernommen.
Zu diesem Zeitpunkt (27. Februar 45) wurde es aufgelöst.
35. ID: Die Absetzbewegung nach Westpreußen begann Mitte
Januar 45. Die 35. ID mußte sich dem allgemeinen Rückzug der
2. Armee anschließen. Ihr weiterer Weg führte nun über
Graudenz und Magrienburg bis dicht westlich von Dirschau, wo
noch einmal die Stellungen gehalten werden konnten. Dann
ging es in den Raum Danzig.
Ein Teil der Div wurde mit Schiffen nach Hela verschifft und
kämpfte dort bis zur Kapitulation.
Ein zweiter Teil konnte sogar mit Transportschiffen noch
nach Schleswig Hostein gebracht werden. Der Rest hingegen
streckte am 8. Mai in Danzig die Waffen...
An diesen Begebenheiten hatte Theodor Schäfer keinen Anteil
, er befindet sich im Februar 45 (wahrscheinlich mit
den Resten des Batallions) in Kolberg.
Dort
sammelt die SS Truppen zur Aufstellung der "neuen" 11.
SS-Panzeramee. Mein Großvater wird in das sogenannte
"Bataillon von Schack" eingegliedert, daß im Februar/März 45
zum Sturmbatallion des AOK 11 wird.
Ende 02.45 : Eingliederung zum Fronttruppenteil
Sturmbatallion SS.Pz.AOK 11
Fronttruppenteil: 3. Kompanie / Sturmbatallion AOK 11
Sturm-Bataillon AOK 11
* Februar 1945 in Pommern aus dem Bataillon v. Schack zu
5 Kompanie gebildet
Bataillon von Schack
Feldpostnummer 24256
siehe: Einsatz-Division Bärwalde
vermißt: 24, davon:
I./45 Braunsberg, Guesen, Köslin (3)
II./45 Schwedbein, Dramburg, Ordensburg, Falkenburg, Stettin
unda. (17)
III./45 Angermünde, Cammin (2)
IV./45 Winsen (1), Cammin (1)
Anfang März.45 Sturmbataillon AOK 11
1902.4
Das
Sturmbatallion AOK 11 unterstand dem direkten Befehl des
Oberkommandos der 11. Armee. Sturmbatallione zu dieser Zeit
agierten als „Feuerwehreinheiten“. Da Sie dem direkten
Befehl des AOK unterstanden konnten Sie gezielt an
Brennpunkte der Front geworfen werden.
Wochenschauauszug - März 1945
03.45: Überführung des Sturmbatallions AOK 11 und der 11.
Armee in den Westen
Hier wird die 11 Armee in den Harz (Festung Harz)
transportiert um diesen gegen die Amerikaner zu verteidigen.
05.03.45: Erneute Verwundung
Gehirnerschütterung / Verwundung durch Feindeinwirkung
17.03.45: Reservelazarett Blankenburg (Blankenburger Hof)
21.03.45: Bereichtigung zum Tragen des Verwundetenabzeichens
in Silber
21.03.45: Überführung Kriegsverwendungsfähig zum
Ersatztruppenteil
20.04.45: Die 11. Armee ergibt sich im Harz den Amerikanern
und geht in US Gefangenschaft.
Aus US Gefangenschaft (Lager Rheinberg) wird mein Großvater im August 45 entlassen. Vorraussetzung dafür war, daß er als Bergmann in Recklinghausen arbeiten sollte.
Entlassungpapiere aus der Kriegsgefangenschaft


Nach seiner Heimkehr nach Recklinghausen entsteht im Garten seiner Eltern das letzte Foto das meinen Großvater in Uniform zeigt, sein Gesicht zeigt die Spuren, die die letzten 5 Jahre bei Ihm hinterlassen haben.

wird fortgesetzt und ergänzt.




